Wassergekühlte Revoluzzer
Die Reduktion der Abgas-Emissionen lassen Soichiro Honda einlenken

In den Lebenserinnerungen von Soichiro Honda liest sich die "Palast-Revolution" der Ingenieure so:

"Ich hatte die Versuche mit dem luftgekühlten Motor gegen den Rat fast aller meiner Mitarbeiter vom Forschungszentrum durchgeführt, die sich für den wassergekühlten Motor einsetzten.

[...]

Im Forschungszentrum ärgerte ich mich oft über meine Mitarbeiter, und ich wußte, daß sie sich in einem oberen Stockwerk ein Zimmer eingerichtet hatten, in dem sie während ihrer Freizeit weiter an einem wassergekühlten Motor arbeiteten. Ich war über diese geteilte Umwelt nicht besonders glücklich.

[...]

Bald danach, im Jahre 1970, sollte ein unerwartetes Ereignis eine ganz neue Entwicklung einleiten. Der amerikanische Kongreß beschloß eine Ergänzung zu dem Umweltschutzgesetz, den »Clean Air Act«, der neue äußerst strenge Maßnahmen zur Reduzierung der Auspuffgase bei Fahrzeugen festlegte. (...) Das beunruhigte Fujisawa [Takeo Fujisawa, Vizepräsident der Honda-Gesellschaft] und er berief eine Gipfelkonferenz der verantwortlichen Leiter der Gesellschaft ein. Ich wohnte dieser Sitzung, an der auch die Ingenieure teilnahmen, nicht bei. Fujisawa wunderte sich zunächst über ihre Theorien und ihre technischen Vorschläge im Hinblick auf die neuen gesetzlichen Forderungen, aber er ließ sich schnell überzeugen, daß man nach einer neuen Technologie suchen und auf den wassergekühlten Motor zurückkommen müsse. Tatsächlich konnten die Anteile an Kohlenwasserstoff und die übrigen giftigen Bestandteile der Auspuffgase nur beschränkt werden, wenn man die Umdrehungen des Motors verringerte. Die Verbrennung mußte langsamer, bei niedrigen Temperaturen erfolgen. Das widersprach allen Bemühungen, die wir bis dahin mit dem luftgekühlten Motor unternommen hatten."
(aus: Soichiro Honda: Honda über Honda, aus dem Französischen übersetzt von Joachim Nehring, Seewald-Verlag Stuttgart 1980, S. 170 ff)