Die Zukunft sind Vierrad-Fahrzeuge
Soichiro Hondas Traum, Automobil-Hersteller zu sein

In den Lebenserinnerungen von Soichiro Honda liest sich der Kampf mit der japanischen Regierung um die Herstellung von Vierrad-Fahrzeugen so:

"Nach meiner Vorstellung mußten alle Erzeugnisse des Hauses Honda einen Motor haben und von der Mechanik ausgehen. Ich hatte mein Leben mit der Leidenschaft für Motoren begonnen. Ihnen verdankte ich meinen Erfolg, und solange ich an der Spitze des Unternehmens stand, würde ich mich bemühen, den Motoren treu zu bleiben. Das war meine Berufung und die unserer Gesellschaft. Wir durften unsere Kräfte nicht auf Gebiete ausdehnen, von denen wir nichts verstanden. Die nächste Etappe würden Vierradfahrzeuge sein ... oder nichts.

Ab 1960 hatten viele japanische Konstrukteure mit dem Bau von Kleinwagen begonnen. Das Handels- und Industrieministerium hatte die Parole ausgegeben: »Ein Wagen für vier Personen, Geschwindigkeit 100 km, Preis 250.000 Yen«. [...]

Im Jahre 1962 erklärte die Honda-Gesellschaft offiziell, daß sie den Bau von Kraftwagen aufnehmen würde. Diese Erklärung erregte in Japan großes Aufsehen und bewirkte, daß man uns zahlreiche Schwierigkeiten bereitete, denn wir handelten gegen die Politik der Regierung. [...]

Die [zu erwartende] starke Konkurrenz unter den japanischen Fabrikanten mache es ihnen unmöglich, sich gegenüber den drei großen amerikanischen Autokonzernen durchzusetzen. Die Regierung sah also sehr ungern neue japanische Autofabrikanten auftauchen. Sie versuchte, diese durch dirigistische und bürokratische Maßnahmen abzuschrecken.

Diese engstirnige, kleinliche Haltung erzürnte mich. Ich trat in die Schranken, um die Politik der Regierung zu bekämpfen. In einem Pressefeldzug erklärte ich offen, daß es das Ziel der Demokratie sei, die Bürger glücklich zu machen, daß ich mein eigenes Werk geschaffen, Geld verdient, meine Steuern bezahlt und so am Wohlstand der Nation mitgewirkt hätte. Warum also sollte ein privates Unternehmen wie das meinige angeblich im Namen der Nation geopfert werden? Das Ministerium für Handel und Industrie ließ sich durch meine zahlreichen öffentlichen Erklärungen nicht erschüttern, sondern bereitete ein Gesetz vor, das drei große Autofabriken wie in den Vereinigten Staaten vorsah, die durch ein besonderes System bevorzugt werden sollten. Das Parlament, das vielleicht durch meinen Pressefeldzug überzeugt war, lehnte das Gesetz ab. Trotz dieses Aufschubs standen wir doch unter Zeitdruck, denn andere, nicht weniger einschneidende Gesetzentwürfe waren zu erwarten. Wir mußten sehr schnell Fahrzeuge aus unseren Werken zeigen können, um die Verwaltung vor vollendete Tatsachen zu stellen. Als dynamische Firma hatten wir wenigstens den Vorteil der Schnelligkeit!

Anläßlich der Ausstellung im Herbst 1962 stellte Honda einen leichten Lastwagen vor, das Modell »T 360«, und den Prototyp eines Sportwagens.

Die Regierung mußte nachgeben. Der »T 360« kam Anfang 1963 in den Verkauf; der Prototyp des Sportwagens »S 500« war in aller Eile konstruiert und trotzdem fähig, gute Leistungen zu erbringen. [...] wir mußten der Regierung um jeden Preis zeigen, daß wir die Absicht hatten, die Produktion großer Serien aufzunehmen. Auf Vorschlag von Fujisawa [Takeo Fujisawa, Vizepräsident der Honda-Gesellschaft, Freund und Wegbegleiter Soichiro Hondas] wurde ein großes nationales Preisausschreiben durchgeführt und das Publikum aufgefordert, den Preis des neuen Modells zu schätzen. Fast sechs Millionen Antworten überschwemmten unsere Zentrale. Wenn das Parlament wirklich ein unerträgliches Gesetz annehmen sollte, so waren wir sicher, daß wir mit Unterstützung dieser sechs Millionen Sympathisanten eine große Protestaktion durchführen könnten."
(aus: Soichiro Honda: Honda über Honda, aus dem Französischen übersetzt von Joachim Nehring, Seewald-Verlag Stuttgart 1980, S. 159 ff)

Soichiro Honda und Takeo Fujisawa 1973
Soichiro Honda und Takeo Fujisawa