Sportwagen: Cabriolets und Coupés

Beinahe wäre das erste vierrädige Fahrzeug von Honda ein Sportwagen und gleichzeitig ein Kei Car geworden, denn der Prototyp des Honda Sports, der S 360, gehörte in diese Klassen. Weil die komplizierte Technik nicht so leicht serienreif gemacht werden konnte, wurde stattdessen ein Leichtlastwagen das erste Honda Automobil: der T 360.

Sportwagen erregen die Aufmerksamkeit der Autointeressierten und müssen daher nicht unbedingt selbst Geld einbringen. Honda konnte es sich deshalb leisten, den ersten Serien-Sportwagen, den S 500, nur etwas größer zu machen, als die damaligen Kei Car-Bestimmungen erlaubten und dadurch Gefahr zu laufen, deshalb weniger Fahrzeuge zu verkaufen. Die Erfahrungen, die Honda mit diesem schmucken Cabriolet sammelte, führten 1964 zu einem klassisch gestalteten und "standfesten" Sport-Cabriolet und ein Jahr später zu einem erfolgreichen Sport-Coupé, dem S 600. Daß schon im Jahre 1966 die Ablösung in Gestalt des S 800 folgte, lag an der Konkurrenz. Bis 1970 soll das image-prägende Modell gebaut worden sein.

Auch zu Hondas zweiter Baureihe, der N-Serie, gehörte ein Sport-Coupé, der Z 360, bzw. im Export, der Z 600, das 1970 auf den Markt kam. Auf ein Cabriolet verzichtete Honda - wohl wegen der Überlegungen, in den USA offene Fahrzeuge aus Sicherheitsgründen zu verbieten. Der Z 360 - nur dieser wurde 1971 auf die Plattform des Life umgestellt - wurde auch das Sport-Coupé zur Life-Baureihe. Als 1974 die Produktion des Life eingestellt wurde, verschwand auch der Z 360 vom Markt.

Ebenfalls ab 1970 wurde ein Coupé auf Basis des Typs 1300 angeboten. Soichiro Honda selbst hatte sich für diesen Mittelklasse-Typ mit luftgekühltem Motor stark gemacht. Allerdings geriet das Auto in der Produktion so teuer, daß es für Honda zu einem Verlustgeschäft wurde. Und auch der 1972 erfolgte Einbau eines neuen, flüssigkeitsgekühlten Motors in das Coupé brachte nicht die erhoffte Besserung, so daß die Produktion bereits 1974 eingestellt wurde.

Hondas nächster Versuch, in der Mittelklasse Fuß zu fassen, war der Accord. Er erschien zunächst als dreitüriger Hatchback, der mancherorts aufgrund seiner sportlichen Form Coupé genannt wurde. Um einen Sportwagen im eigentlichen Sinne des Wortes handelte es sich dabei aber nicht. Gleiches gilt für die zweite Accord-Generation, obwohl wieder ein Hatchback angeboten wurde, der jedoch wesentlich weniger coupéhaft anmutet.

Das Coupé zum Accord erschien im Jahre 1978 unter dem Namen Prelude auf dem Markt. Der formal gelungene Sportwagen hatte allerdings mit einem zu schwachen Motor zu kämpfen. Das gilt insbesondere für die europäische Variante.

Vier Jahr nach seinem ersten Auftritt - mit dem Erscheinen der zweiten Generation im Jahre 1982 - hatte sich der Prelude vom Sportcoupé zum Accord zum eigenständigen Modell entwickelt. An seinen Vorgänger errinnerte allenfalls die etwas schwache Motorisierung. Zumindest in Japan und Europa fiel ab 1985 dieser Kritikpunkt weg, als der Prelude ein Hochleistungs-Aggregat erhielt.

Zu den ersten beiden Generationen der überaus erfolgreichen Civic-Serie existierte kein echter Sportwagen. Zwar gab es den Civic RS und den Civic 1500 CX bzw. den Civic S(port), aber das waren lediglich sportlich aufgemotzte Schrägheck-Limousinen mit moderat leistungsgesteigerten Motoren und eventuell verbessertem Fahrwerk. Diese Situation änderte sich mit Einführung der dritten Civic-Generation im Jahre 1983 grundlegend: Der Ballade Sports CR-X - außerhalb Japans unter dem Namen Civic [Coupé] CR-X bekannt - war ein reinrassiges Sportcoupé und entwickelte sich als "Westentaschen-Rakete" zum Kultfahrzeug.

1985 bereicherte der Quint Integra als 3-türiges Coupé die Produktpalette in der unteren Mittelklasse. In dieser Form wurde er unter dem Namen Integra ab 1986 auch nach Australien und Nordamerika exportiert, wobei er in Nordamerika als zweites Modell der Marke Acura am Markt erschien.

Als erstes Oberklasse-Sportcoupé erschien im Jahre 1987 das Legend Coupé. Es verfügte von Anfang an über den größeren Motor als die Limousine und wurde aus Qualitätsgründen ebenfalls von Anfang an in Japan gefertigt. In Nordamerika wurde es unter der Nobelmarke Acura vertrieben.

Das Jahr 1987 brachte u. a. den Generationswechsel beim Prelude. Die dritte Auflage des Sportcoupés ist auf den ersten Blick äußerlich kaum vom Vorgänger-Modell zu unterscheiden. Unter dem Blech bietet dieser Prelude jedoch eine Besonderheit, die erste in einem Serien-Pkw verbaute lenkwinkelabhängige Vierrad-Lenkung der Welt. Außerdem im Programm: Leistungsstarke Motoren.

Mit dem Generationswechsel beim Civic im Jahre 1987 erschien das Sportcoupé ohne Beinamen als CR-X. Gerade dieser CR-X hatte es jungen Menschen angetan und animierte sie, ihr Exemplar individuell zu gestalten. Den durch Gewichtszunahme gegenüber dem Vorgänger und die Einführung des Katalysators entstandenen Leistungsverlust machte ein VTEC-Motor ab 1989 bzw. in Europa ab 1990 wieder wett - ja sorgte für noch mehr "Biß". Zusammen mit dem verbesserten Fahrwerk der vierten Civic-Generation entstand so das Sportcoupé schlecht hin.

Erst ab 1988 bot Honda ein echtes Sportcoupé zur Accord-Reihe auch unter dem Namen Accord an. Es wurde in den USA entwickelt und dort auch gebaut. Darin ist vermutlich der Grund zu suchen, daß das Coupé weltweit nicht mit dem stärksten Motor ausgerüstet wurde, der für die Baureihe lieferbar war.

Beim Integra erfolgte der Modellwechsel 1989. Neben dem 3-türigen Coupé wurde auch eine 4-türige Limousine angeboten. In Japan erhielt der neue Integra den ersten Serien-VTEC-Motor der Welt und dokumentierte auf diese Weise, daß die Integra-Baureihe aus eigenständigen sportlichen Fahrzeugen mit Spitzen-Technologie besteht.

Bemerkenswertes ereignete sich 1990: Der erste japanische Super-Sportwagen erschien als Coupé auf dem Markt. Honda brachte den NSX in die Schaufenster ausgewählter Händler. Er ist das erste serienmäßige Fahrzeug von Honda mit Mittelmotor und wurde in Nordamerika unter der Marke Acura vertrieben. Er ist außerdem das weltweit erste Serien-Fahrzeug mit Ganz-Aluminium-Karosserie. Im Jahre 1995 wurde dem Coupé eine Targa-Variante zur Seite gestellt.

Das Accord Coupe wurde 1990 einem Modellwechsel unterzogen. Wieder war HAM (= Honda of AMerica) für die Entwicklung verantwortlich und fertigte das Fahrzeug exklusiv. Wieder bedeutete das, daß es stärkere Limousinen gab als der Sportwagen der Baureihe. Nach Europa gelangte ein Accord Coupe zum ersten Mal im Jahre 1992 in den offiziellen Verkauf - dann aber sogar nur mit einem noch kleineren Motor als im Rest der Welt.

Als zweites serienmäßiges Modell mit Mittelmotor präsentierte Honda 1991 das Kei car-Cabriolet Beat. Es handelt sich um ein Spaß-Auto für zwei Personen ohne Gepäck, da der Kofferraum nicht nennenswert ist. Honda zeigte mit ihm sein technisches Potential, da die für Kei cars gültige Leistungshöchstgrenze im Gegensatz zur Konkurrenz ohne Turbo-Lader erreicht wurde.

Die vierte Generation des Sportcoupés Prelude erschien in Japan 1991 mit einer auffallend agressiver gestalteten Karosserie als das Vorgänger-Modell und u. a. einem VTEC-Motor. Dieses Aggregat wurde im Rest der Welt erst 1993 lieferbar. Von Anfang an konnte dagegen dieser Prelude mit einer elektronisch gesteuerten und elektrisch betätigten Vierrad-Lenkung geordert werden.

Im Jahre 1992 brachte Honda ein Fahrzeug auf den Markt, das vielfach als dritte Generation des CR-X bezeichnet wird. In Japan hieß der von der fünften Civic-Generation abgeleitete Targa CR-X del Sol (span. von der Sonne), wohl weil sein Dach und die Heckscheibe entfernt werden können. In Europa trug er den Namen CR-X und in Nordarmerika wurde er Del Sol genannt, wahrscheinlich um die hohen Versicherungsprämien, die für einen CR-X zwischenzeitlich bezahlt werden mußten, zu umgehen. Die Produktion des Targa wurde 1998 eingestellt.

Der Modellwechsel zur dritten Generation erfolgte beim Integra 1993. Wieder gab es neben dem 3-türigen Coupé eine 4-türige Limousine. Und endlich konnten auch Acura-Käufer in Nordamerika einen VTEC-Motor ordern. Diese Fahrzeuge wurden wieder nicht nach Europa exportiert; dafür aber ab 1998 der "Leckerbissen" schlechthin für Sportwagen-Liebhaber, das erste Modell der Type R-Serie - den straßenzugelassenen Rennwagen von Honda.

Nachdem der CR-X in seiner dritten Auflage in Preisregionen entschwunden war, die für viele nicht mehr erreichbar waren, lancierte Honda 1993 ein neues Sportcoupé, das Civic Coupe, so daß es zur fünften Civic-Generation gleich zwei Sportwagen gab.

Das Accord Coupe wurde 1994 einem Modellwechsel unterzogen. Wieder war HAM (= Honda of AMerica) für die Entwicklung verantwortlich und fertigte das Fahrzeug exklusiv. Aber dieses Mal gab es zumindest in Japan keine stärkeren Limousinen als der Sportwagen der Baureihe. Trotz der geringen Ähnlichkeit zur Limousine wurde das Accord Coupe auch in Europa angeboten.

Das Jahr 1996 markiert einen Meilenstein in der Firmengeschichte von Honda, denn unter dem Namen Acura CL präsentierte Honda in Nordamerika die erste Eigenentwicklung für die Marke Acura. Es handelt sich dabei um ein Coupé, das der Limousine namens Acura TL zur Seite gestellt wurde, obwohl beide Fahrzeuge technisch völlig unterschiedlich sind. Der Acura TL entspricht dem japanischen Inspire der dritten Generation, wohingegen der Acrua CL im wesentlichen auf der Accord Limousine aufbaut, die lediglich eine andere Karosserie und einen neu entwickelten V6-Motor erhielt.

Ebenfalls im Jahre 1996 präsentierte Honda die fünfte Generation des Sportcoupés Prelude. VTEC-Motoren treiben bei dieser Generation alle Varianten an. Die aufwendige und nicht immer zuverlässige Vierrad-Lenkung wurde nur noch als Option angeboten. Zusätzlich konnte dieser Prelude mit einer automatischen Antriebskraftverteilung (ATTS) als neue Sicherheitseinrichtung geordert werden.

Ähnlich wie bei der fünften verhielt es sich bei der sechsten Civic-Generation: Es gab gleich zwei Sportwagen. 1996 erschien das Civic Coupe und 1997 den ersten Civic aus der Type R-Serie.

Von 1998 bis 2002 gab es wieder einen Z. Allerdings kann darüber gestritten werden, ob er ein Coupé oder eher ein SUV ist. In jedem Fall wurde dieses technisch interessante Kei Car auch mit Turbo-Motor angeboten und kann von daher durchaus als sportliches Auto betrachtet werden.

Das Accord Coupe wurde 1998 einem Modellwechsel unterzogen. Wieder war HAM (= Honda of AMerica) für die Entwicklung verantwortlich und fertigte das Fahrzeug exklusiv. Dieses Mal gab es sogar einen V6-Motor im Coupé, weil es auf der nordamerikanischen Limousine aufbaut. Damit trat das Accord Coupe in gewissem Sinne die Nachfolge des Legend Coupé an, das bekanntlich ab der dritten Generation des Legend nicht mehr angeboten wurde.

Durch den Generationswechsel beim Integra im Jahre 2001 reduzierte sich diese Baureihe zum reinen Sportwagen. Das allein noch gebaute 3-türige Coupé gab es in zwei Leistungsstufen, wobei die leistungsstärkere Variante in Japan und Australien den Namen Integra Type R erhielt und die Tradition der Type R-Serie fortsetzte. In Nordamerika erhielt der Integra den Namen Acura RSX.

Sportwagen zur siebten Civic-Generation gab es gleich mehrere: Zunächst erschien im Jahre 2001 der neue Civic Type R als straßentauglicher Rennwagen und kurze Zeit später ein elegantes Sport-Coupé aus us-amerikanischer Produktion, das allerdings nur in Nordamerika und einigen europäischen Staaten angeboten wurde. Anstelle des neuen Civic Type R gab es in Nordamerika einen Civic Si - den einzigen Hatchback in dieser Region.

Das Accord Coupe wurde 2002 zusammen mit der nordamerikanischen Limousine einem Modellwechsel unterzogen. Wieder war HAM (= Honda of AMerica) für die Entwicklung verantwortlich und fertigte das Fahrzeug exklusiv. Wieder gab es einen V6-Motor im Coupé.

Mit dem Generationswechsel beim Civic im Jahre 2005 erschien auch in Nordamerika ein neues Civic Coupe.

Das Jahr 2007 bescherte eine Fülle von sportlichen Fahrzeugen aus dem Hause Honda. Allen voran kam natürlich der 3-türige Civic Hatchback als Type R auf den europäischen Markt. In Japan wurde ebenfalls ein Civic Type R angeboten. Bei diesem Modell handelt es sich jedoch um die 4-türige Limousine. Auf dem nordamerikanischen Markt erhielt dieses Modell den bereits mit sportlichen Ehren verbundenen Namen Civic Si.

Doch mit diesen drei Sportwaren war es Honda noch nicht genug, denn mit dem Generationswechsel bei der Accord Limousine erschien auf dem nordamerikanischen Markt ebenfalls ein darauf basierendes Coupé.